Wien zählt europaweit zu den Städten mit einem außergewöhnlich hohen Anteil an öffentlichem, gemeinnützigem und kollektivem Vermögen: Grund und Boden, Gemeindebauten, geförderter und gemeinnütziger Wohnbau, kommunale Grundstücke und ein dichtes Netz an öffentlichen Räumen prägen das Stadtbild und sichern breiten Bevölkerungsschichten Zugang zu leistbarem Wohnraum und hoher Lebensqualität. Dieses kollektive Vermögen ist das Ergebnis jahrzehntelanger vorausschauender Stadtpolitik und stellt einen zentralen Standortvorteil sowie eine soziale Errungenschaft dar – eine Errungenschaft, die es zu würdigen, aktiv zu pflegen und weiterzuentwickeln gilt. Zugleich steigt – wie in vielen wachsenden Städten – der Druck durch private Kapitalakkumulation im Immobiliensektor.
Wie ist die Entscheidungs- und Verfügungsmacht über Boden, Wohnraum und öffentlichen Raum in Wien zwischen öffentlicher Hand, gemeinnützigen und privaten Akteur:innen verteilt? Wie verschiebt sich dieses Verhältnis? Und mit welchen Instrumenten kann die Stadt ihr kollektives Vermögen sichern und ausbauen?
Ein Blick auf internationale Beispiele, etwa in Städten mit ausgeprägter vertikaler Segregation oder ausschließenden, privat kontrollierten Vierteln, zeigt, wohin eine unregulierte Verschiebung von öffentlichem zu privatem Vermögen führen kann: zu einer zunehmend exklusiven, von wenigen Akteur:innen geprägten Stadtentwicklung mit eingeschränkter demokratischer Mitsprache. Solche Stadträume lassen sich international (und beginnend auch in Österreich) beobachten: etwa wie eine fortschreitende Verschiebung von öffentlichem zu privatem Vermögen Gestaltung und Mitsprache reduziert, Zugänglichkeit einschränkt und zu verstärkter Wertabschöpfung durch wenige Akteur:innen führt. Diese Studie versteht solche Beispiele ausdrücklich als Abgrenzungsreferenz: nicht als Prognose, sondern als Beschreibung dessen, wohin sich Wien nicht entwickeln soll.
Die Studie versteht sich als vorausschauendes Frühwarn- und Orientierungssystem: Sie soll verstehen helfen, welche Auswirkungen es hat, wenn finanzstarke private Akteur:innen verstärkt in Prozesse der Stadtentwicklung sowie in immobilienbezogene Entscheidungs- und Steuerungsstrukturen investieren, und will zugleich frühzeitig jene Werkzeuge und Instrumente identifizieren, mit denen die Stadt ihr kollektives Vermögen absichern kann:
Auftraggeberin Arbeiterkammer Wien
Art Übergeordnete Grundlagenstudie
Team Prof. Dr. Gabu Heindl, Martin Sturz (M.Arch.)
Forschungszeitraum 2026 – laufend