Stadtbildsoziologie: Über leere Container und die risikolose Stadt des 21. Jahrhunderts

Stadtbildsoziologie: Über leere Container und die risikolose Stadt des 21. Jahrhunderts

Gabu Heindls Kommentar zu Klaus Ronneberger „Container des 21. Jahrhunderts“ (2000) in sub\urban – eine wissenschaft­liche Zeitschrift, die einen Ort für eine deutsch­sprachige und interdiszipli­näre Debatte in der kritischen Stadt­forschung schafft.

Abstract
Der Text verknüpft die Würdigung von Klaus Ronnebergers Beitrag zur kritischen Stadtsoziologie mit einer Analyse rassistischer Verschiebungen im aktuellen Diskurs über Stadtraum. Ausgangspunkt ist eine 2025 in Deutschland forcierte Debatte über das „Stadtbild“, die nicht auf reale stadtpolitische Defizite zielt – wie fehlende Infrastruktur, versiegelte Räume oder spekulativ bedingten Leerstand –, sondern als Projektionsfeld einer rassistisch aufgeladenen Argumentation dient. Unter dem Vorwand des Schutzes von Frauen und Mädchen werden migrantische Männer als Problem markiert und Abschiebungen legitimiert. Der Text macht deutlich, dass diese Logik nahtlos an andere Diskurse anschließt, in denen Armut, Bettelei und Obdachlosigkeit als „Störung“ des urbanen Erscheinungsbilds verhandelt werden. Dem wird eine zentrale Einsicht Ronnebergers kritischer Stadtforschung entgegengestellt: soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit nicht als naturgegebenen Zustand, sondern als Resultat politischer Entscheidungen und gesellschaftlicher Machtverhältnisse zu verstehen. Damit wird das „Stadtbild“ als umkämpfter Ort entlarvt – als Ausdruck sozialer Aus- und Einschlüsse.

“Stadtbildsoziologie: Über leere Container und die risikolose Stadt des 21. Jahrhunderts”

In: Debatte zu: Klaus Ronneberger „Container des 21. Jahrhunderts“ (2000)

sub\urban, 2026, 14(1)

S.183-192

DOI

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zeitschrift-suburban.de